Die ärztliche Weiterbildung in Deutschland findet seit langem zu großen Teilen vor allem als Nebenprodukt der Krankenversorgung statt. Im Gegensatz zu manch anderen Ländern unterliegt die Weiterbildung in Deutschland nur wenigen Kontrollen und Vorgaben. Das führt dazu, dass bei zunehmendem Kostendruck immer weniger Weiterbildung stattfindet, schließlich gibt's dafür kein Geld und kein Personal. Dieses Problem der Weiterbildungsqualität ist nicht neu und besteht fächerübergreifend (Berufsreport 2003).
Artikel 5 der Musterweiterbildungsordnung fordert vom Weiterbildungsbefugten (deinem Chef!) lediglich ein „gegliedertes Programm für die Weiterbildung zum Facharzt“. Das lässt viel Spielraum für Interpretationen offen: Morgens um 8:00 Anfangen zu Arbeiten, das ist doch auch schon eine Art Gliederung, oder?
Im Gegensatz dazu stehen echte "Weiterbildungsprogramme" anderer Länder. Sie liefern Beispiele für die tatsächliche Machbarkeit hochqualitativer ärztlicher Weiterbildung als Garant für die Qualität medizinischer Versorgung: Stellen für Weiterbildende, verbindlich strukturierte Weiterbildung und regelmäßige Evaluation der Lernenden und Lehrenden durch die medizinischen Fachgesellschaften sind dort keine Utopie (Facharztweiterbildung: Vorbild Amerika).
Andererseits können nach Angaben der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft mindestens 28% aller bundesweiten Krankenhäuser offene Stellen im ärztlichen Dienst nicht besetzen. An die 11% geben an, aktiv im Ausland nach Ärzten zu suchen. Die daumendicken Anzeigenteile im Ärzteblatt sprechen für sich.
Im Gegensatz zu so mancher Uniklinik, haben gerade die Klinikkonzerne anscheinend begriffen womit man gute Assistenten locken kann: Strukturierte Weiterbildung.
Ein aktuelles Beispiel ist der SRH Konzern. Dieser stellte heute die Kampagne "Initiative Neue Ärzte" vor. Ganz gezielt wird hier um junge Assistenzärzte und -ärztinnen mit der Möglichkeit geworben "Karriere, Weiterbildung und Familie zu verbinden". Es soll - so der Werbetext - eine strukturierte Weiterbildung mit erfahrenen Mentoren stattfinden:
-Verbindliche und detaillierte Zusicherung der Weiterbildung nach den von den Landesärztekammern vorgeschriebenen Weiterbildungsinhalten und Logbüchern
-Während der gesamten Weiterbildung stehen erfahrene Oberärzte als Mentoren zur Verfügung
-Jährliche Personalgespräche zeigen Entwicklungsmöglichkeiten auf
-Zielstrebige Weiterbildung ist auf die individuelle Eignung abgestimmt
-Zusicherung der zeitnahen Aufstellung der Weiterbildungspläne kraft Haustarifvertrag der SRH Kliniken
Eigentlich gar nicht so außergewöhnlich. Sollte das nicht eigentlich selbstverständlich sein? Ob das dann dort wirklich so läuft, sei dahingestellt. Interessant ist die Kampagne aber allemal.
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