An vielen deutschen Kliniken sollen andere Berufsgruppen dem ärztlichen Personal Arbeit abnehmen. Das klingt logisch, denn viele unserer Aufgaben in der Klinik sind nicht genuin ärztliche. Es fand sich nur bis dato niemand, der es sonst gemacht hätte. Die klassischen Beispiele sind u.a.: Befunde wegsortieren, Röntgenbilder suchen, Untersuchungen anmelden oder auch Blutabnehmen.
Aber es gibt auch einen anderen Aspekt, wenn Aufgaben übernommen werden, die vorher von Ärzten erledigt worden sind. Mit großer Anerkennung stellt man als Assistenzarzt fest, wie sich z.B. die Pflege zunehmend professionalisiert. Von der Strukturiertheit und Finanzierung z.B. der Fachweiterbildung für die Intensivpflege können wir als Ärzte in Weiterbildung oft nur träumen. Soweit so gut. Davon können Patienten und Ärzte gleichermaßen profitieren.
Es gibt dabei aber auch Entwicklungen, die durchaus kritisch bewertet werden. Z.B. wenn Teile dieser Berufsgruppen die Überzeugung verteten, sie könnten aufgrund Ihrer Sachkompetenz auch noch viel mehr genuin ärztliche Aufgaben erfüllen. Und da spielt auch die Politik bzw. die Krankenhausökonomen mit herein: Pflegende oder MTAs sind nun mal für den Arbeitgeber günstiger als Ärzte.
So kommt es auch in Deutschland schon zu Projekten, die kontrovers diskutiert werden. Kritiker sehen die Sicherheit der Patienten aber auch die Weiterbildung der Assistenten in Gefahr.
Beispiele:
- Der Versuch Pfleger-Narkosen einzuführen (MAFA).
- Chirurgische nicht ärztliche „Technische“ Assistenten (CTA), die OP-Zugang, Präparation und Wundverschluss übernehmen.
- MTAs die eigenständig Echokardiographien durchführen.
- Beatmungspflege
In anderen Ländern mit noch viel mehr finanziellem Druck im Gesundheitssystem geht es noch einen deutlichen Schritt weiter. Aus Mangel an niedergelassenen Allgemeinmedizinern sollen in den USA nun z.B. teilweise Pflegende als "Doctor of nursing practice" die ärztlichen Aufgaben übernehmen:
Mary Mundinger, the leading spokesperson for doctor-nurses says, “While a primary care physician went to medical school and did residency, a nurse practitioner with a DNP has achieved many of the same competencies but through nursing education. They have the same skills in identifying a disease state and treating it, but it’s a different hybrid of care.” (via NHS Blog Doctor). Siehe auch The Covert Rationing Blog.
Auch in Großbritannien gibt es diese Tendenz.
In Deutschland ist die offizielle Verlautbarung vom Ärztetag 2008 sehr kritisch gegenüber dem Pflegeweiterentwicklungsgesetz, welches vielleicht in eine ähnliche Richtung interpretiert werden könnte:
"Die Delegation darf nicht zulasten der ärztlichen Weiterbildung und
Nachwuchsförderung gehen. Gerade für den Einstieg in die
Spezialisierung sind die Erhebung von einfachen diagnostischen Befunden
(z. B. in der Sonografie) oder die Ausführung von Teilschritten eines
Eingriffs unter fachärztlicher Supervision ganz entscheidende Schritte."
"Keine Übertragung ärztlicher Kernaufgaben auf nicht ärztliche
Gesundheitsberufe! Der Facharztstandard muss für alle Patienten
gewährleistet werden.
Mit vorgeblichen ökonomischen Sparzwängen wird versucht, eine
erweiterte Übertragung von ärztlichen Aufgaben an nicht ärztliche
Gesundheitsberufe zu rechtfertigen. [...]
Der Deutsche Ärztetag lehnt diese Vorstellungen entschieden ab. Der
Schutz des Patienten gebietet es, dass ärztliches Handeln in der Hand
des Arztes verbleibt. Die Versorgungsqualität darf nicht noch weiter
leiden."
Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.
Ich vermisse ja den Briefeschreiber und Blutabnehmer. Achnee, gibt ja PJler...
Kommentiert von: Doc Brown | 24. Juni 08 um 12:36 Uhr