
Für satte 44 Fortbildungspunkte ist er zertifiziert und behandelt über 6 Tage ein breites Spektrum der Intensivmedizin: der alle zwei Jahre stattfindende
Seminarkongress in Garmisch-Partenkirchen. Namhaften Dozenten (inklusive vieler C4rer) sollten den Teilnehmern in 17 Seminaren, einer Reihe von Tutorien sowie einigen zusätzlichen Workshops die aktuellen Strategien und Ausblicke nahebringen.
Hat das geklappt?
Ein paar Eindrücke von dieser Veranstaltung gibt es nach dem Sprung.

Alles in allem ein klares Ja. Die Organisatoren haben es verstanden, ein Programm zu erstellen, daß viele zentrale Themen abdeckt und für jeden etwas bietet. Die Dozenten waren insgesamt gut bis sehr gut - von einzelnen Schwächen einmal abgesehen. Inhaltlich handelte es sich zumeist wirklich um gute "State-of-the-Art" Vorträge welche gegen Ende jeweils auch Ausblicke in neue Entwicklungen gaben. Allerdings bedingte dieser Spagat auch, daß der Kongress nicht wirklich sinnvoll für Einstieger war. Man musste die gängigen Fragen und Knackpunkte schon etwas kennen um wirklich zu profitieren.
Hier eine bunt zusammengewürfelte Liste von Eindrücken zum Kongress.
Sepsis
Auffällig war, daß trotz der mittlerweile weit verbreiteten Erkenntniss, daß der ZVD schlecht mit dem Volumenstatus korreliert und vielfältigen Störeinflüssen ausgesetzt ist, noch immer die EGDT mit Ziel ZVDs propagiert wird. Ob ein bestimmter Zielparameter wirklich der Grund für ein besseres Outcome der EGDT-Patienten ist oder ob es einfach "mehr Volumen als sonst" war bleibt nach wie vor unklar. Fakt ist: ZVD, MAP, und zentralvenöse Sauerstoffsättigung bleiben als Zielparameter in den Guidelines. Ob der Picco und seine Parameter es jemals hinein schaffen?
HAES: Mit VISEP hat sowohl HAES als auch die intensivierte Insulintherapie einen ordentlichen Dämpfer erhalten. Konsens war bei vielen Dozenten: Eher keine kolloidalen Lösungen sowie moderate BZ Ziele von unter 150.
Cortison: Niedrigdosiertes Hydrocortison (200-300mg/Tag) innerhalb von 24h bei Patienten im Volumen und Katecholaminresistenten septischen Schock indiziert.
ARDS
Mich hat vor allem das Thema Bauchlagerung interessiert, weil bei uns eher selten angewendet.
Der Tenor hier:
- Indikation vor allem bei schnellem Beginn des ARDS mit ausgeprägter Hypoxämie (Horowitz deutlich unter 100).
- Nicht den PEEP reduzieren.
- Für jeweils etwa 12 Stunden am Stück durchführen.
- Enterale Ernährung vor Lagerung pausieren. Dann in reduzierter Dosis weiterlaufen lassen.
- Cave: Dekubitus, Diskonnektion, Extubation.
NPPV
Sehr en vogue das Thema. Die heir vertrenene Lesart entsprach weitgehend der S3 Leitlinie:
Hyperkapnisches ARI (Versagen der Atempumpe)
NPPV. Z.B. bei COPD, Asthma bronchiale
Hypoxämisches ARI bei Kardialem Lungenödem
->hier sollte primär CPAP durchgeführt werden. NPPV auch möglich.
Hypoxämisches ARI nicht kardial
Prinzipiell kein NPPV. CPAP versuch.
Ausnahmen: Immunsupprimierte Patienten (hier Benefit durch Tubusvermeidung)
Ambulant erworbene Pneumonie mit begleitender COPD
Präoxygenierung vor Intubation
NPPV kann man machen. (Level Ib)
KI gegen NPPV: Fehlende Spontanatmung, Schnappatmung, Verlegung der Atemwege, GI-Blutung Ileus, Koma (Außnahme: CO2 Narkose, wenn schnelle Besserung)
Relative KI: Massive Agitation, Massiver Sekretverhalt trotz Bronchoskopie, Schwergradige Hypoxämie oder Azidose (pH < 7,1), hämodynamische Instabilität, Anatomische Inkompatibilität
Erfolgskriterien
Abnahme Dyspnoe, Verbesserte Vigilanz, Abnahme AF, Abfall PCO2, Antieg pH, Verbesserte Oxygenierung, Abnahme HF
Kardiogener Shock

Ein wirklich interessanter Vortrag von Prof. Werdan aus Halle. Wie immer das Dilemma: Macht die Orientierung an den klassischen hämodynamischen Parametern Sinn? Was ist mit der Erkenntnis, daß statische Drücke (ZVD, Wedge) nicht viel über Füllung und Volumenreagibilität sagen? Werdan betont, daß immer auch "Flussparameter" wie der Cardiac Index, der periphere Widerstand oder auch die gemischtvenöse Sättigung mit einbezogen und an Zielwerte optimiert werden müssen. Dieses sollte "mit minimalem Katecholamineinsatz" geschehen. Leichter gesagt als getan...
Interessant fand ich aber vor allem die Erwähnung des sog. Cardiac Power Index (CI x MAP) der ja laut gegenwärtiger Studienlage tatsächlich eine prognostische Bedeutung beim kardiogenen Schock zu haben scheint. Wie es scheint ist derzeit eine neue deutschsprachige Leitlinie zum kardiogenen Schock nach MI in Vorbereitung bzw. fast fertig. Diese wird wohl den Cardiac Power Index mit Zielangaben integrieren.
Workshop Bronchoskopie
Sehr guter Workshop. Gut vorbereitete Dozenten, gutes Equipment (Genug Bronchoskope, alle mit Videomonitoren ausgestattet, genug Modelle). Gute Anleitung.
Workshop Echokardiografie
Der Titel "Fallbeispiele und praktische Übungen" legte Nahe, daß es um mehr geht als darum wie man den Schallkopf hält. Ging es auch aber der Schwerpunkt lag in den den absoluten Basics. Für mich eher enttäuschend. Trotzdem großes Lob an die gut vorbereitete Dozenten. Vielleicht nächstes mal zwei Kurse anbieten mit unterschiedlichen Schwerpunkten?
Evaluation
Die Evaluationsbögen waren leider sehr global gehalten. Schön wäre es gewesen, einzelnen Dozenten und Vorträge bewerten zu können. Es gab einige ganz wenige Vorträge - peinlicherweise eher aus dem internistischen Bereich - deren Inhalt nicht ganz dem eigentlichen Thema entsprach... So könnten die Veranstalter Ihre Problemzonen vielleicht besser erkennen.
Kongresshaus
Romantisch gelegen mitten in der Innenstadt. Auf dem Weg zur Veranstaltung lockt stetig im Hintergrund der Berg. Gleich bei der Eröffnung wurde erwähnt, daß man sich eigentlich eine größere Location wünscht, dies aber noch nicht habe umsetzen können. Und da findet man auch gleich einen wirklichen Kritikpunkt. Das alte Kongresshaus platzte aus allen Nähten. Es war voll. Aus Sicht mancher schon zu voll. Es herrschte ein großes Gedränge. Bei manchen Vorträgen saßen die Teilnehmer auf den Treppen.
Ort und Publikum
Gefühlt handelte es sich um etwa 80% anästhesiologisches Publikum, der Rest dürften Internisten und der ein oder andere verirrte(?) Chirurg gewesen sein. Aufgrund des - bis auf ein Orgelkonzert von Prof. Trappe - nicht vorhandenem Rahmenprogramm gab es im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen eher wenig Kontakt mit anderen Teilnehmern. Eine mitgereister Kollege "nötigte" mich und einen anderen Kollegen zwischenzeitlich einmal auf die Skipiste: Das war erstaunlicherweise deutlich witziger als ich gedacht hätte. Garmisch ist ein ganz netter Touristen Ort, wenn man das typisch bayrisches Ambiente für eine Woche aushält.
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