Verlegung aus dem Katheterlabor: STEMI-Patient mit laufendem Heparin + Reopro, hohes Alter, hoher BMI, starre verkalkte Gefäße. Vielleicht noch ein Zustand nach schwieriger Punktion im Coro-Labor oder eine Indikation zum zentralen Zugang in die Jugularis?
Die klinische Erfahrung auf der ICU sagt, daß Blutungskomplikationen bei diesen Patienten tatsächlich ein Problem darstellen, welches eher unterschätzt wird. Dieses Thema wurde nun erneut auch auf dem EURO PCR 2008 auf einem Symposium diskutiert.
Die Lösung sollen neue Antikoagulanzien, insbesondere das Bivalirudin (Handelsname Angiox) bringen.
Aufgrund der zunehmenden verfügbaren Studiendaten (ISAR REACT 3, ACUITY, REPLACE2 und jetzt HORIZONS-AMI) ist zumindest Harvey D. White in seinem Vortrag (Folien hier, free registration required) der Meinung, Bivalirudin sollte die Kombination Heparin + GP IIB/IIIA nach PCI ersetzen. Dabei zieht er folgende Schlussfolgerungen:
- Blutungen seien unangenehm für den Patienten, würden weitere Therapien notwendig machen und nicht zuletzt mit einer erhöhten Mortalität assoziiert sein.
- Ob bei ACS oder elektiver PCI: Bivalirudin würde zu einer signifikanten Blutungsreduktion führen.
- Bei nicht ST-Hebungs ACS Patienten seien die Ischämieraten mit denen von unfraktioniertem Heparin + GPIIB/IIIA Rezeptor Antagonisten vergleichbar.
- Bei STEMI Patienten seien die Ischämieraten ebenfalls ähnlich und es käme zu einer Reduktion der kardialen und der Gesamtmortalität.
- Das verminderte Blutungsrisiko käme auch beim periinterventionellen Wechsel von Heparin auf Bivalirudin zum Tragen.
Immerhin, in den aktuellen ESC Guidelines ist die Bivalirudin Therapie eine I B Empfehlung im Rahmen einer „urgent invasive strategy“.
Die gegenteilige Meinung vertrat hingegen G. Montalescot (Folien hier, ebenfalls free registration required): Er kritisiert das Design einiger Studien (v.a. REPLACE2), spricht der Substanz die Sicherheit und die Effektivität ab. Bivalirudin sei nutzlos in der „wirklichen Welt“.
Es sei an dieser Stelle nicht unerwähnt ,daß das ganze erwähnte Symposium auf dem Euro PCR 2008 von der Medicines Company gesponsort wurde und dass auch der immer wieder zitierte Harvey White schon ein Research Grant eben dieser Firma bekam.
Gleiche Effektivität bei deutlich vermindertem Blutungsrisiko, das wäre schon schön. Interessant, wie man aus denselben Daten komplett gegenteilige Schlussfolgerungen ziehen kann.
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