Ein Charakteristikum des multimorbiden internistischen Patienten ist die lange Medikamentenliste, die zusammen mit der entsprechend langen Diagnosenliste die stationäre Aufnahme und Behandlung unübersichtlich macht. Die Vermutung liegt nahe, daß je länger die Arzneimittelliste ist, desto eher auch Fehler passieren: Falsche Medikamente werden weiter gegeben, notwendige nicht verschrieben ("underprescription").
Eine niederländische Arbeitsgruppe aus Utrecht berichtet im British Journal of Clinical Pharmacology über Ihre Untersuchung an 150 Patienten mit einem mittleren Alter von 79,6 Jahren:
The estimated probability of underprescription increased significantly with the number of drugs. CONCLUSIONS: We found a clear relationship between polypharmacy and underprescribing.
Kuijpers, M.A. et al. Relationship between polypharmacy and underprescribing., Br J Clin Pharmacol., 2008, 65
| Zustand | Was fehlte
| Anteil |
| Opioidtherapie | Laxanzien | 61,5% |
| Myokardinfarkt | Betablocker | 60% |
| Herzinsuffizienz | ACE-Hemmer | 47% |
| Vorhofflimmern | Antikoagulation | 42% |
| Osteoporose | Bisphosphonat | 29% |
| Hyperlipidämie | Statin | 23% |
| Arterielle Hypertonie | Antihypertensiva | 23% |
| Angina pectoris, TIA, pAVK | Thrombozytenaggregationshemmer | 21% |
| NSAID | Protonenpumpenblocker | 21% |
Diese Liste der häufigsten Unterbehandlungen beim älteren Patienten ist sicherlich was für die nächste Visite. Nicht kompliziert, man muss halt dran denken.
(via Arzneimittelbrief)
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